Layout, das nicht nach Word aussieht
Sechs Regeln, mit denen eine Abizeitung wie gestaltet aussieht statt wie zusammengeschoben, ohne Designstudium und ohne teure Software.
Man erkennt es sofort, auch ohne zu wissen warum: Diese Abizeitung sieht gestaltet aus, die andere sieht aus wie zusammengeschoben. Der Unterschied sind selten Talent oder Software. Es sind sechs Entscheidungen, die man einmal trifft und dann durchhält.
1. Zwei Schriften. Nicht drei, nicht sieben.
Das häufigste Erkennungszeichen von Laien-Layout: jede Seite hat eine andere Schrift, weil jede Person ihre Lieblingsschrift gewählt hat.
Nehmt zwei:
- eine für Überschriften, darf Charakter haben, auch etwas Ungewöhnliches
- eine für Lauftext: ruhig, gut lesbar, langweilig ist hier richtig
Alles andere entsteht aus Größe und Stärke, nicht aus einer neuen Schrift. Fett, größer, gesperrt, damit baut man jede Hierarchie, die ein Buch braucht.
Eine Schrift, die auf jeder zweiten Seite anders ist, macht aus einem Buch eine Sammlung von Zetteln. Legt die zwei Schriften einmal fest und schreibt sie ins Komitee-Dokument, damit jede freie Seite sie kennt.
2. Ein Raster, und dann bleibt man drin
Nehmt eine feste Anzahl Spalten (2 oder 3 bei A5) und richtet alles daran aus: Bildkanten, Textblöcke, Überschriften. Auch wenn nur ein Bild auf der Seite ist, beginnt es an einer Spaltenkante.
Der Effekt ist erstaunlich stark, weil das Auge Kanten vergleicht. Zwei Bilder, die 3 mm versetzt anfangen, sehen nach Versehen aus. Zwei Bilder auf derselben Kante sehen nach Absicht aus.
Kurzer Test: Legt ein Lineal senkrecht an eine fertige Doppelseite. Wenn mehrere Elemente an derselben Linie beginnen, stimmt es. Wenn jedes ein wenig anders anfängt, ist es genau das Problem.
3. Weißraum ist kein verschwendeter Platz
Der Reflex bei einer halbleeren Seite ist, sie zu füllen. Das ist der Reflex, der Layout kaputt macht. Ein Foto mit Luft drumherum wirkt größer als eines, das den Rand berührt, und eine Seite mit drei Elementen wirkt teurer als eine mit acht.
Konkret:
- Textblöcke enden vor dem Rand, nicht am Rand. Rechnet mit mindestens ~15 mm Luft bei A5.
- Zwischen Bild und Bildunterschrift ein kleiner, immer gleicher Abstand.
- Nicht jede Restfläche mit einem Extra-Foto ausgleichen.
Wenn eine Seite zu leer wirkt, ist meistens nicht zu wenig drauf, sondern das Vorhandene zu klein.
4. Ein Element pro Seite ist das Größte
Jede Seite braucht etwas, das zuerst auffällt: ein großes Foto, eine große Zahl, eine große Überschrift. Wenn alles gleich groß ist, weiß das Auge nicht, wo es anfangen soll, und die Seite wirkt unruhig, obwohl nichts falsch ist.
Praktische Regel: das größte Element ist mindestens doppelt so groß wie das zweitgrößte. Halbe Unterschiede sehen nach Zufall aus, deutliche nach Entscheidung.
5. Farben: drei, und dann Schluss
Nehmt eine Hauptfarbe (kommt meistens vom Abimotto), eine Akzentfarbe und Schwarz/Grau. Das reicht für ein ganzes Buch.
Was Farbe kaputt macht:
- Jede Sektion in einer anderen Farbe. Wirkt nach Bastelbogen, nicht nach Buch. Nutzt lieber dieselbe Farbe in verschiedenen Helligkeiten.
- Farbiger Lauftext. Grauer oder farbiger Text auf farbigem Grund ist bei 9 pt im Druck schlecht lesbar, und im Druck ist es immer kontrastärmer als am Bildschirm.
- Vier Farben, weil vier Leute mitentschieden haben. Das ist keine Gestaltungsfrage, sondern eine Organisationsfrage: eine Person entscheidet.
6. Wiederholung ist das ganze Geheimnis
Was ein Buch zu einem Buch macht, ist nicht Kreativität pro Seite, sondern Konsistenz über Seiten. Alle Steckbriefe gleich aufgebaut. Seitenzahlen immer an derselben Stelle. Kapitel-Titel immer gleich groß. Bildunterschriften immer im gleichen Stil.
Das klingt nach Langeweile und ist das Gegenteil: Gleichmäßigkeit im Gerüst ist genau das, was die einzelnen freien Seiten wirken lässt. Wenn alles überrascht, überrascht nichts mehr.
Der praktische Weg dahin
Ihr müsst diese sechs Punkte nicht von Hand durchsetzen. In AbiHive baut ihr das Buch aus Vorlagen: Steckbriefe, Zitate und Rankings fließen automatisch in ein Layout, das für alle Einträge identisch ist, Punkt 6 also gratis. Schriften, Raster und Farbe sind pro Vorlage festgelegt, sodass 90 Steckbriefe nicht 90 Gestaltungsentscheidungen sind, sondern eine.
Wo tatsächlich frei gestaltet wird, sind die freien Seiten. Dafür gibt es einen Editor mit Rastern und einer automatischen Textanpassung, damit ein zu langer Text nicht aus der Box läuft. Ideen und Beispiele: Freie Seiten gestalten.
Und weil das mit Abstand häufigste Layout-Problem nicht Gestaltung ist, sondern Menge: entscheidet die Seitenzahl früh. Ein Layout für 100 Seiten ist ein anderes als für 140. Wer erst gestaltet und dann feststellt, dass 20 Seiten zu viel sind, gestaltet zweimal.
Die fünf häufigsten Fehler in einem Satz
- Mehr als zwei Schriften.
- Nichts fluchtet, weil es kein Raster gibt.
- Jede Fläche gefüllt, kein Weißraum.
- Alles gleich groß, kein Blickfang.
- Auf jeder Seite eine neue Idee statt eines durchgehenden Gerüsts.
Zum Mitnehmen
- Zwei Schriften, drei Farben, ein Raster, einmal festlegen, dann durchziehen.
- Größtes Element doppelt so groß wie das zweitgrößte.
- Weißraum ist Gestaltung, nicht Leerstand.
- Konsistenz im Gerüst, Freiheit nur auf den freien Seiten.
- Eine Person entscheidet über Schrift und Farbe. Nicht vier.
Danach kommt der Teil, der die Fehler finden soll: Korrekturlesen, der Ablauf, der wirklich trägt.
Mehr aus Handwerk
Druckdaten richtig abgeben: Beschnitt, Auflösung, Farbraum
Die drei Begriffe, an denen jede Druckabgabe hängt, verständlich erklärt, mit den konkreten Zahlen, die eine Druckerei von euch hören will.
Gute Abifotos ohne Fotografen
Licht, Hintergrund, Auflösung: wie ihr mit Handykameras Fotos hinbekommt, die im gedruckten Buch gut aussehen, und welche Bilder ihr gar nicht erst sammeln solltet.
Korrekturlesen: der Ablauf, der wirklich trägt
Zwei Runden, feste Rollen, ein Protokoll, wie ihr die Fehler findet, die man nach dem Druck nicht mehr korrigieren kann. Mit Checkliste.