Korrekturlesen: der Ablauf, der wirklich trägt
Zwei Runden, feste Rollen, ein Protokoll, wie ihr die Fehler findet, die man nach dem Druck nicht mehr korrigieren kann. Mit Checkliste.
Korrekturlesen ist der Arbeitsschritt, den jede Stufe einplant und fast keine durchzieht. Der Grund ist immer derselbe: Es steht am Ende, es ist unbeliebt, und zu dem Zeitpunkt sind alle fertig mit dem Projekt.
Der Preis ist hoch, weil er dauerhaft ist. Ein falsch geschriebener Nachname steht in 120 Exemplaren, die 30 Jahre in Regalen stehen.
Zwei Runden, nicht eine
Eine Runde findet die offensichtlichen Fehler. Sie findet nicht die, die dadurch entstehen, dass man sie korrigiert hat, und das ist eine überraschend große Gruppe.
Runde 1, Inhalt (2–3 Tage) Stimmt alles, was behauptet wird? Namen richtig geschrieben, Kurse richtig zugeordnet, Zitate der richtigen Person, Bildunterschriften am richtigen Bild. Hier wird noch nicht auf Kommas geschaut.
Runde 2, Form (2 Tage) Rechtschreibung, Zeichensetzung, Trennungen, Umbrüche, Seitenzahlen, Silbentrennung an Zeilenenden. Erst jetzt, weil sich Umbrüche mit jeder Inhaltsänderung verschieben.
Und dazwischen etwas, das kein Korrekturlesen ist, aber genauso wichtig: eine Person sieht das komplette PDF einmal von vorn bis hinten an, ohne zu lesen. Nur Seiten anschauen. Das findet leere Seiten, doppelte Seiten, ein Foto in falscher Größe, eine fehlende Kapiteltrennung: Dinge, die beim Lesen niemandem auffallen, weil man Text liest und nicht Layout.
Feste Rollen, sonst passiert es nicht
„Alle lesen mal drüber” ist der zuverlässige Weg dahin, dass niemand liest. Zwei Personen mit Namen sind besser als zehn ohne.
| Rolle | Wer | Aufgabe |
|---|---|---|
| Korrektur 1 | Jemand, der gut Deutsch schreibt | Runde 1 komplett |
| Korrektur 2 | Eine andere Person | Runde 2 komplett |
| Layout | Aus dem Layout-Team | Setzt die Änderungen um |
| Freigabe | Hauptverantwortliche | Sagt „geht raus” |
Wichtig: Korrektur 1 und 2 sind zwei verschiedene Menschen. Wer einen Text zweimal liest, liest beim zweiten Mal, was er erwartet.
Und noch wichtiger: Wer das Layout gebaut hat, korrigiert es nicht. Man sieht eigene Fehler nicht. Das ist keine Frage von Sorgfalt.
Das Protokoll
Korrekturen im Chat gehen verloren. Zwölf Nachrichten mit „S. 43 Name falsch” sind nach zwei Tagen nicht mehr auffindbar, und niemand weiß, was schon erledigt ist.
Nehmt eine simple Liste: Tabelle, geteiltes Dokument, egal, solange sie diese vier Spalten hat:
Seite | Was ist falsch | Wie richtig | erledigt
------+-------------------------+------------------+---------
12 | „Müller" statt „Möller" | Möller | x
43 | Zitat bei falscher Lehr.| → Frau Weber |
67 | Bild unscharf | neues von L. K. | x
Zwei Regeln dazu:
- Nur eine Liste. Zwei Listen sind schlimmer als keine.
- Wer korrigiert, hakt ab, nicht wer meldet. Sonst steht am Ende alles auf „erledigt” und die Hälfte ist es nicht.
Was am häufigsten gefunden wird
Wenn ihr wenig Zeit habt, prüft diese Punkte zuerst. Sie machen den größten Teil der echten Fehler aus:
- Namen. Vor allem Doppelnamen, Umlaute, ß, Namen mit Bindestrich. Prüft gegen eine offizielle Liste, nicht gegen das Gedächtnis.
- Zuordnungen. Zitat zur falschen Lehrkraft, Foto zur falschen Person, Kursbericht im falschen Kurs. Der peinlichste Fehlertyp.
- Zahlen. Jahrgang, Jahreszahlen, Abiturjahr im Titel. Ja, auch das ist schon falsch gedruckt worden.
- Fehlende Leute. Wer keinen Steckbrief abgegeben hat, fehlt komplett, das fällt beim Lesen nicht auf, weil da keine Lücke ist. Zählt gegen die Namensliste.
- Platzhalter. „Lorem ipsum”, „TODO”, „Name hier”, „xxx”. Sucht danach explizit.
- Umbrüche und Trennungen. Ein Wort, das über zwei Seiten getrennt wird, oder eine Überschrift allein am Seitenende.
- Doppelt. Dasselbe Foto zweimal, dasselbe Zitat auf zwei Seiten.
Der Zeitpunkt
Korrekturlesen braucht fertigen Umbruch. Vorher zu korrigieren ist doppelte Arbeit, weil sich jede Zeile noch verschiebt. Deshalb liegt es genau in den zwei Wochen zwischen interner Abgabe und Druckabgabe, siehe Die letzten zwei Wochen vor Abgabe.
Konkret:
- Tag 1: Vollständiges PDF exportieren, an beide Korrekturpersonen verteilen.
- Tag 2–4: Runde 1.
- Tag 5: Änderungen einbauen, neu exportieren.
- Tag 6–7: Runde 2 im neuen PDF.
- Tag 8: Änderungen einbauen, neu exportieren.
- Tag 9: Durchblättern ohne Lesen, Freigabe.
- Tag 10: Abgabe. Zwei Tage Puffer bleiben.
Der Punkt, an dem das schiefgeht: Korrektur im alten PDF, während Layout schon im neuen arbeitet. Deshalb nach jeder Runde neu exportieren und die alte Version ausdrücklich für ungültig erklären.
Praktisch in AbiHive
Zwei Dinge helfen dabei, ohne dass ihr etwas dafür tun müsst:
- Ihr könnt jederzeit ein vollständiges PDF exportieren, auch mittendrin. Korrekturrunden brauchen also keinen Sonderaufwand, sondern einen Klick. Wer wann exportiert hat, steht in der Export-Liste, was das Auseinanderhalten der Versionen erleichtert.
- Die Inhalte kommen aus einer Quelle. Ein Name, der im Steckbrief korrigiert wird, ist danach überall korrigiert, es gibt keine zweite Stelle, an der er noch falsch steht. Das reduziert genau die Fehlerklasse, die beim Korrigieren neu entsteht.
Was AbiHive nicht macht: euch sagen, dass ein Zitat der falschen Person zugeordnet ist. Das kann kein Programm wissen. Zwei Menschen und eine Liste sind hier nicht ersetzbar.
Zum Mitnehmen
- Zwei Runden, zwei verschiedene Personen, Inhalt vor Form.
- Wer das Layout gebaut hat, korrigiert nicht.
- Eine Liste mit vier Spalten, abgehakt von der Person, die korrigiert.
- Namen und Zuordnungen zuerst, gegen eine offizielle Liste.
- Einmal komplett durchblättern, ohne zu lesen.
- Nach jeder Runde neu exportieren, alte Version für ungültig erklären.
Danach: Druckdaten richtig abgeben.
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