Gute Abifotos ohne Fotografen
Licht, Hintergrund, Auflösung: wie ihr mit Handykameras Fotos hinbekommt, die im gedruckten Buch gut aussehen, und welche Bilder ihr gar nicht erst sammeln solltet.
Für Abifotos braucht niemand einen Fotografen. Ein Handy von heute macht Bilder, die für eine ganzseitige Seite in A5 reichen. Was Fotos in Abizeitungen schlecht aussehen lässt, sind fast immer dieselben drei Dinge, und alle drei sind ohne Ausrüstung lösbar.
Die drei Dinge, die wirklich zählen
1. Licht kommt von vorn, nicht von hinten
Der häufigste Fehler überhaupt: die Person steht vor dem Fenster. Die Kamera belichtet auf das helle Fenster, das Gesicht wird dunkel. Dreht die Person um, Licht ins Gesicht, Fenster im Rücken der Kamera.
Was gut funktioniert:
- Bewölkter Tag draußen. Das beste Licht, das es gratis gibt: weich, keine harten Schatten, keine zugekniffenen Augen.
- Im Schatten bei Sonne, nicht in der Sonne. Direkte Mittagssonne macht harte Schatten und blendet.
- Direkt am Fenster drinnen, Person zum Fenster gedreht.
Was nicht funktioniert: Deckenleuchten in Klassenräumen (Schatten unter den Augen), Blitz (flache Gesichter, rote Augen), Gegenlicht.
2. Der Hintergrund ist ruhig, oder er ist weit weg
Ein Foto wird schlecht durch das, was hinter der Person passiert: Mülleimer, Fahrräder, ein Heizkörper, drei Leute, die zuschauen.
Zwei Möglichkeiten:
- Ruhige Fläche: eine Wand, ein Tor, eine Hecke, der Himmel.
- Abstand: Person zwei, drei Meter von der Wand weg, Kamera näher an der Person. Der Hintergrund wird unschärfer und tritt zurück. Das ist der Trick, der mit einem Handy am meisten bringt.
Und: einheitlich. Wenn 90 Steckbriefbilder vor 90 verschiedenen Hintergründen entstehen, sieht die Seite unruhig aus, egal wie gut die Einzelbilder sind. Legt für die Steckbriefbilder einen Ort fest und macht sie alle dort. Das ist der größte Einzeleffekt in diesem ganzen Text.
3. Groß genug für den Druck
Für Druck braucht ein Bild etwa 300 Pixel pro Zoll der gedruckten Größe. Die Rechnung:
benötigte Pixel = Breite in cm ÷ 2,54 × 300
Steckbrief-Bild, 4 cm breit → 470 px
Halbe Seite A5, 10 cm breit → 1 180 px
Ganze Seite A5, 15,4 cm breit → 1 820 px
Ein Handyfoto hat 3000 bis 4000 Pixel Breite und reicht damit für alles. Das Problem ist nie die Kamera, es ist der Weg, den das Bild nimmt.
Wie Fotos kaputtgehen, bevor ihr sie bekommt
Das ist der Teil, der Bücher wirklich verdirbt, und er hat mit Fotografie nichts zu tun:
- WhatsApp komprimiert Bilder auf etwa 1000 Pixel Breite. Ein Bild aus einem Chat ist für eine halbe Seite schon knapp und für eine ganze zu klein.
- Screenshots von Instagram sind noch kleiner und meist beschnitten.
- Weitergeleitete Bilder werden bei jedem Schritt erneut komprimiert.
Deshalb die einzige Regel, die beim Sammeln zählt: Fotos werden hochgeladen, nicht verschickt. Wenn ihr im Chat sammelt, sammelt ihr Vorschaubilder.
In AbiHive lädt jede Person ihre Fotos direkt in die Galerie. Beim Hochladen wird die lange Kante auf 2400 Pixel begrenzt. Das ist doppelt so viel, wie die Druck-Prüfung als Schärfegrenze verlangt, für den Druck reicht es also bequem. Wer eine höher aufgelöste Datei hat, sollte aber wissen, dass sie nicht in voller Größe erhalten bleibt. Pro Datei sind bis zu 15 MB möglich, was für Handyfotos reichlich ist.
Wer trotzdem über WhatsApp sammeln muss: „Als Dokument senden” statt als Bild. Dann bleibt die Auflösung erhalten. Aber sagt es vorher, nachträglich bekommt man die Originale selten wieder.
Der Steckbrief-Fototermin
Ein Nachmittag, zwei Leute, eine Stunde pro 30 Personen. Das ist realistischer als „jeder schickt was” und liefert deutlich bessere Ergebnisse.
- Ort: eine ruhige Wand oder Hecke, draußen im Schatten.
- Zeit: Nachmittag, bewölkt ist perfekt.
- Ablauf: Immer dieselbe Stelle, dieselbe Kamerahöhe (Augenhöhe), derselbe Abstand. Drei Aufnahmen pro Person, davon eine mit Lachen.
- Sofort hochladen, nicht abends „wenn ich zu Hause bin”.
- Nachtermin einplanen für die, die fehlen. Es fehlen immer Leute.
Kamerahöhe ist ein unterschätzter Punkt: von unten fotografiert sieht niemand gut aus, von oben wirkt es wie ein Selfie. Augenhöhe, immer.
Für die Fotoseiten: sammelt anlassbezogen
Fotos von Kursfahrt, Motto-Woche, Sportfest, Karneval sind die Bilder, die das Buch lebendig machen, und sie sind vier Monate später nicht mehr zu bekommen.
- Direkt nach dem Anlass einsammeln, nicht am Ende des Jahres.
- Mit Zahl fragen: „drei Fotos von der Kursfahrt” statt „schickt Fotos”.
- Auch unscharfe Momente sammeln, für eine Collage ist ein technisch mittelmäßiges Foto mit echter Stimmung besser als ein scharfes ohne.
Mehr zum Rücklauf: Wie ihr die Stufe zum Mitmachen bringt.
Zwei Dinge, die keine Technik sind
Einwilligung. Bei einer Stufe, die zum Teil minderjährig ist, ist das keine Formalie: Wer auf einem Foto erkennbar ist, muss mit dem Abdruck einverstanden sein, und bei Minderjährigen kommen die Eltern dazu. Klärt das beim Sammeln, nicht im Mai. Details: Datenschutz in der Abizeitung.
Fotos von Lehrkräften. Dieselbe Regel, und in der Praxis heikler. Fragt, und zwar bevor das Bild im Layout steht.
Zum Mitnehmen
- Licht von vorn, Fenster hinter der Kamera. Bewölkt ist besser als sonnig.
- Ruhiger Hintergrund, Person mit Abstand davor.
- Alle Steckbriefbilder am gleichen Ort auf Augenhöhe.
- Hochladen statt verschicken, WhatsApp kostet 70 % der Auflösung.
- Anlassbezogen sammeln, sofort, mit einer Zahl.
- Einwilligung beim Sammeln klären, nicht beim Drucken.
Wie es weitergeht: Druckdaten richtig abgeben und das Modul Galerie.
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