Sponsoren für die Abizeitung finden
Wen man fragt, was eine Anzeige kosten darf, und wie ein Anschreiben aussieht, das nicht im Papierkorb landet, inklusive Vorlage und Preisstaffel.
Sponsoren sind der wirksamste Hebel auf den Preis eures Buchs. 400 € Anzeigen bei 120 Exemplaren sind 3,33 € weniger pro Exemplar: mehr, als ihr durch dünneres Papier, weniger Farbe oder eine kleinere Auflage jemals sparen würdet.
Und es ist einfacher, als es klingt. Ihr verkauft keine Werbung an Konzerne. Ihr verkauft eine halbe Seite an den Zahnarzt, bei dem die halbe Stufe in Behandlung war.
Wen man fragt (in dieser Reihenfolge)
1. Wo eure Eltern arbeiten. Der mit Abstand erfolgreichste Kanal, und der, den fast niemand systematisch nutzt. Fragt in der Stufe: „Wer hat Eltern mit einem Betrieb oder in einer Firma, die sowas macht?” In einer ganzen Stufe kommen so meist mehrere brauchbare Kontakte zusammen, und wer über eine Empfehlung anfragt, hat es leichter als bei einer kalten Mail.
2. Wo ihr selbst Geld lässt. Bäckerei, Eisladen, Fahrschule, Kino, das Café gegenüber der Schule, der Handyladen. Diese Läden wissen, dass ihr ihre Kundschaft seid, und man kann persönlich hingehen.
3. Lokale Dienstleister mit Interesse an Schulabgänger:innen. Fahrschulen (fast immer ein Treffer), Fitnessstudios, Optiker, Reisebüros, Sparkasse und Volksbank vor Ort, Handwerksbetriebe, die Ausbildungsplätze suchen. Das letzte ist ein starkes Argument: eine Anzeige in der Abizeitung ist eine Anzeige an 120 Leute, die genau jetzt entscheiden, was sie danach machen.
4. Ehemalige. Wer vor zehn Jahren an derselben Schule Abi gemacht hat und heute eine Praxis oder eine Firma hat, sagt überraschend oft zu.
Was praktisch nie funktioniert: Konzernzentralen, Ketten ohne lokale Entscheidungsbefugnis, Anfragen über Kontaktformulare auf großen Websites.
Was eine Anzeige kosten darf
Verlangt keinen Einzelpreis, sondern eine Staffel. Sie macht die Entscheidung leichter und hebt den Durchschnitt.
| Format | Richtwert | Wer nimmt das |
|---|---|---|
| 1/4 Seite | 40–60 € | Kleine Läden, Einzelpraxen |
| 1/2 Seite | 70–110 € | Fahrschulen, Handwerksbetriebe |
| 1/1 Seite | 130–200 € | Banken, größere lokale Betriebe |
| Umschlaginnenseite | 200–300 € | Der eine Hauptsponsor |
Die Werte sind Richtwerte und hängen an eurer Auflage und Region, bei 60 Exemplaren im Dorf sind sie zu hoch, bei 200 in einer Großstadt zu niedrig. Rechnet grob: eine 1/2-Seite sollte etwa so viel kosten wie ein Euro pro Exemplar, dann liegt ihr für beide Seiten fair.
Sachsponsoring nicht vergessen. Nicht jeder gibt Geld, aber viele geben Gutscheine, Getränke für den Abiball oder drucken euch etwas. Das ist genauso Geld wert und ist oft leichter zugesagt.
Das Anschreiben
Kurz, konkret, mit Zahl und Frist. Das Anschreiben, das nicht funktioniert, erklärt in vier Absätzen, was eine Abizeitung ist. Das funktionierende sagt in zehn Zeilen, was man bekommt und was es kostet.
Betreff: Anzeige in der Abizeitung des Abiturjahrgangs 2027 der [Schule]
Guten Tag Frau/Herr [Name],
wir sind der Abiturjahrgang 2027 der [Schule] und geben im Juni unsere
Abizeitung heraus — 120 Exemplare, gelesen von unserem Jahrgang, unseren
Familien und den Lehrkräften der Schule.
Wir bieten Anzeigenplätze an:
1/4 Seite 50 €
1/2 Seite 90 €
1/1 Seite 160 €
Wenn Sie dabei sein möchten, brauchen wir Ihre Rückmeldung bis zum
[Datum] und ein Logo oder eine fertige Anzeige bis zum [Datum].
Nach Erscheinen bringen wir Ihnen gern ein Exemplar vorbei.
Viele Grüße
[Name], [Name]
Abikomitee [Schule] · [Mailadresse] · [Telefonnummer]
Fünf Dinge, die daran wichtig sind:
- Eine Person mit Namen als Absender, keine „Abi-Redaktion”.
- Auflage genannt, das ist die Zahl, an der ein Betrieb entscheidet.
- Preis im Anschreiben, nicht auf Nachfrage. Nachfragen kostet Zusagen.
- Zwei Fristen: Zusage und Druckdatei. Die zweite vergessen fast alle, und dann fehlt im Mai das Logo.
- Telefonnummer. Viele kleine Betriebe antworten nicht per Mail, sondern rufen an.
Der Ablauf, der funktioniert
- Liste bauen (eine Stunde, im Komitee): 25 bis 40 Adressen aus den vier Kanälen oben.
- Mail raus, alle am selben Tag, personalisiert nur in Anrede und Firma.
- Nach 7 Tagen nachfassen, hier kommt der größte Teil der Zusagen. Wer nicht nachfasst, verliert etwa die Hälfte.
- Bei den lokalen Läden hingehen, nicht schreiben. Zwei Leute, freundlich, nachmittags. Die Zusagequote im Laden ist ein Vielfaches der per Mail.
- Zusagen schriftlich festhalten: Format, Preis, wer die Datei schickt, bis wann. Eine mündliche Zusage im Mai ist keine.
- Nach dem Druck Exemplar vorbeibringen. Kostet nichts, und der nächste Jahrgang bekommt dort eine Zusage in zwei Minuten.
Was ihr vorher klären solltet
- Rechnungen. Manche Betriebe brauchen eine, um es abzusetzen. Klärt, wer sie ausstellt, meist läuft das über die Stufenkasse; die Schule ist dafür normalerweise nicht der richtige Weg. Sprecht das mit der Schulleitung ab, bevor ihr Zusagen macht.
- Wer die Kasse führt. Eine Person, nachvollziehbar, mit einer Liste. Siehe Abikomitee gründen.
- Wo die Anzeigen im Buch stehen. Sammelt sie nicht alle hinten auf zwei Seiten, das liest niemand, und der Sponsor merkt es. Verteilt, aber trennt sie optisch klar vom Inhalt.
- Was ihr nicht aufnimmt. Legt vorher fest, welche Branchen ihr ablehnt (Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Wettanbieter). Eine Schülerzeitung mit einer Wettanzeige ist ein Gespräch mit der Schulleitung, das ihr nicht führen wollt.
Zum Mitnehmen
- Fragt zuerst dort, wo eure Eltern arbeiten. Empfehlungen schlagen alles.
- Staffel statt Einzelpreis, Richtwert: 1/2 Seite ≈ 1 € pro Exemplar.
- Preis und zwei Fristen direkt ins Anschreiben.
- Nachfassen nach einer Woche, das ist der halbe Erfolg.
- Bei lokalen Läden hingehen, nicht mailen.
Wie sich das auf den Preis auswirkt: Was kostet eine Abizeitung.
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