Abizeitung digital oder gedruckt?
Ein ehrlicher Vergleich, inklusive der Argumente, die gegen das gedruckte Buch sprechen. Wann eine PDF-Ausgabe die bessere Entscheidung ist, und wann nicht.
Die Frage kommt meist im Februar, wenn klar wird, was der Druck kostet: „Müssen wir das überhaupt drucken?” Sie ist berechtigt, und die Antwort ist nicht so eindeutig, wie Anbieter von Druckprodukten, uns eingeschlossen, sie gern darstellen.
Also der ehrliche Vergleich, mit den Punkten, die gegen den Druck sprechen.
Was für das gedruckte Buch spricht
Es wird tatsächlich aufgehoben. Das ist das einzige Argument, das wirklich zählt, und es zählt sehr viel. Ein Buch steht in zwanzig Jahren im Regal der Eltern. Eine PDF-Datei liegt in einem Download-Ordner auf einem Laptop, den es nicht mehr gibt, in einem Cloud-Konto, dessen Passwort niemand mehr weiß.
Das ist kein Nostalgie-Argument, sondern ein technisches: Digitale Dateien brauchen aktive Pflege, um dreißig Jahre zu überleben. Papier braucht ein Regal.
Es wird gemeinsam angeschaut. Bücher werden am Abiball herumgegeben, an dem Abend, an dem alle zusammen sind. Eine Datei wird alleine geöffnet.
Es ist ein Abschluss. Ein physisches Objekt markiert ein Ende auf eine Weise, die ein Download nicht schafft. Das ist der Grund, warum Stufen, die digital angefangen haben, oft doch drucken.
Unterschriften. Der unterschätzte Punkt: die letzten Seiten sind zum Unterschreiben da, und genau die werden in zehn Jahren gelesen. Digital gibt es das nicht.
Was gegen das gedruckte Buch spricht
Und jetzt der Teil, der in Werbetexten fehlt:
Es kostet Geld. 8 bis 15 € pro Exemplar sind für manche in der Stufe eine echte Hürde, und es sind immer dieselben, für die es eine ist. Eine PDF-Ausgabe kostet nichts und schließt niemanden aus. Wenn euer Ziel ist, dass alle die Zeitung haben, ist das ein starkes Argument.
Es ist endgültig. Ein Fehler im Druck ist ein Fehler in 120 Exemplaren. Ein Fehler in einem PDF ist behoben, sobald jemand ihn meldet. Bei Namen und Zitaten ist das relevanter, als es klingt, siehe Korrekturlesen.
Es hat einen harten Termin. Der Druck erzwingt eine Abgabe, die man nicht verschieben kann. Wenn eure Stufe spät dran ist, ist ein digitales Buch der Unterschied zwischen „ein bisschen später” und „gar nicht”.
Es kann nichts, was Bildschirme können. Keine Videos, keine Sprachnachrichten, keine 400 Fotos ohne Seitenlimit. Wer eine Fotogalerie mit 800 Bildern will, will kein Buch.
Es ist ein Datenschutz-Argument in beide Richtungen. Gedruckt ist ein Buch nicht durchsuchbar und nicht kopierbar, das ist ein Vorteil. Aber es ist auch nicht zurückholbar: Wer nach dem Druck ein Foto von sich nicht mehr im Buch haben will, hat Pech. Bei einer PDF-Ausgabe kann man eine korrigierte Version nachliefern. Mehr dazu: Datenschutz in der Abizeitung.
Wann digital die richtige Entscheidung ist
Ehrlich gesagt in diesen Fällen:
- Sehr kleine Stufen. Bei 20 Exemplaren ist der Stückpreis so hoch, dass er zum Hauptthema wird.
- Wenn das Geld sonst nicht reicht. Ein digitales Buch, das alle haben, ist besser als ein gedrucktes, das sich zwei Drittel leisten können.
- Wenn ihr sehr spät dran seid. Im Mai ohne Inhalte ist ein PDF die Rettung, kein Kompromiss.
- Als Ergänzung. Gedruckt für die, die wollen, plus eine PDF-Ausgabe für alle. Das ist in den meisten Fällen die beste Antwort auf die ganze Frage.
Der Mittelweg, der meistens gewinnt
Klein drucken, digital ergänzen. Also: die Auflage genau auf die bezahlten Vorbestellungen plus 10 % Puffer legen, und alle bekommen zusätzlich die PDF-Ausgabe.
Damit habt ihr beides: das Objekt für die, die es wollen und bezahlen, und die Vollständigkeit für die Stufe. Und ihr habt kein Lagerrisiko, das der klassische Fehler ist: 150 drucken, 105 verkaufen, 45 im Keller. Wie man die Auflage richtig bestimmt, steht in Was kostet eine Abizeitung.
Praktisch ist das kein Zusatzaufwand: In AbiHive exportiert ihr sowieso ein vollständiges, druckfertiges PDF. Dieselbe Datei ist die digitale Ausgabe, ihr müsst nichts doppelt bauen. Wer drucken will, gibt sie bei einer Druckerei ab oder bestellt direkt über die angebundene Druckbestellung, sofern eure Stufe die nutzt.
Was ihr nicht machen solltet
- Eine „digitale Abizeitung” als Website oder App bauen. Klingt modern, kostet ein Vielfaches der Zeit, und in fünf Jahren ist der Link tot. Eine PDF-Datei ist in zwanzig Jahren noch lesbar; eine selbstgebaute Web-App nicht.
- Das PDF öffentlich ins Netz stellen. Steckbriefe, Fotos und Zitate von Minderjährigen gehören nicht in eine Datei, die jeder findet und die Suchmaschinen indexieren. Verteilt sie an die Stufe, nicht an das Internet.
- Digital und gedruckt in zwei verschiedenen Layouts machen. Doppelte Arbeit für ein Ergebnis, das niemand vergleicht.
- Die Entscheidung im Mai treffen. Sie beeinflusst Seitenzahl, Bildauflösung und Sponsorenpreise. Entscheidet im Herbst, wenn auch nur vorläufig.
Die Entscheidung in vier Fragen
- Wie viele Exemplare wollen wir mindestens? Unter 40 wird gedruckt teuer.
- Verträgt jede:r in der Stufe den Preis? Wenn nein: digital ergänzen.
- Sind wir im Zeitplan? Wenn nein: digital ist die realistische Variante.
- Wollen wir Unterschriftenseiten? Wenn ja, ist die Frage entschieden.
Zum Mitnehmen
- Das stärkste Argument für Druck ist Haltbarkeit, nicht Nostalgie.
- Das stärkste Argument dagegen ist der Preis, und er trifft immer dieselben.
- Der Mittelweg gewinnt meistens: knapp drucken, PDF für alle.
- Keine selbstgebaute Web-Ausgabe, kein öffentlicher Download.
- Im Herbst entscheiden, nicht im Mai.
Wenn ihr drucken wollt: Druckdaten richtig abgeben. Wenn ihr noch nicht sicher seid: es ändert am Sammeln der Inhalte nichts, fangt damit an, die Entscheidung hat Zeit bis zum Winter.
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